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Malteser Wallfahrten

Wo der Glauben Generationen verbindet

Malteser Lourdeswallfahrt vom 22. bis 28. März 2018 beendet, Leitspruch: "Was er euch sagt, das tut"

30.03.2018
Nils Schadwinkel (r.) und Sebastian Völker aus Delbrück tragen die Malteser Pilgerkerze. Diese hatte Paderborns Weihbischof Hubert Berenbrinker (l.) zuvor gesegnet.
Helfen Pilgern in Lourdes: (v.l.) Justin Schelp (Höxter), Robert Peters (Willebadessen), Antonia Johlen (Höxter), Tobias Kreutzmann (Lichtenau-Kleinenberg), Leyla Kangal (Fürstenberg), Mentor Dr. Norbert Kurowski (Höxter), Marie Lütkefend (Marienmünster), Anne Spiegelberg (Höxter), Lara Lohr (Boffzen) und Morten Kampelmann (Höxter).
Feiern eine verregnete und doch stimmungsvolle Palmweihe (v.l.): Mikolaj Swiatczak und die Schwestern Elzbieta und Helena Swierad aus Kattowitz. Malteserin Angelique Smorra aus Lippstadt hat sie während der Wallfahrt betreut. Im Hintergrund die Rosenkranzbasilika. Fotos: Frank Kaiser

Lourdes berührt: Man spürt es an der tiefen Frömmigkeit der Gläubigen. Man spürt es am geduldigen Hoffen derer, die mit ihren Sorgen und Nöten vor die Gottesmutter Maria treten. Und Lourdes verbindet: Menschen aller Altersklassen, gesunde Pilger und Menschen in Krankheit und mit Behinderungen – sie alle sind Ende März, bei der Malteser Pilgerfahrt der Generationen, zu einer großen Glaubensgemeinschaft zusammengewachsen. Doch was bringt heutzutage Jugendliche dazu, nach Lourdes zu pilgern? Eine Spurensuche.

Lourdes, Südfrankreich. Es ist Freitag, der 23. März. Rund 30 Stunden sind sie bereits unterwegs, da fährt gegen 15 Uhr der große Pilgerzug der Malteser in den Bahnhof von Lourdes ein. Ein grauer, bedeckter Himmel empfängt die Pilger der 38. Wallfahrt der Generationen aus dem Erzbistum Paderborn – doch noch hält sich das Wetter.

Nicht einmal zwei Stunden später sind die Hotels bereits bezogen und die Glocken läuten zur Eröffnungsmesse. Hier, in der Rosenkranzbasilika, mitten im Heiligen Bezirk, beten sie erstmals gemeinsam: 870 Pilgerinnen und Pilger sind in diesem Jahr mit den Maltesern unterwegs. Mit dem Sonderzug, zwei Flugzeugen und einem Bus sind sie angereist. 82 Menschen mit Behinderungen und in Krankheit gehören zur Pilgergruppe. Menschen, die ohne Hilfe eine solche Reise nicht antreten könnten. Mit dabei sind auch 157 Kinder und Jugendliche. Es ist diese bunte Vielfalt, die die "Pilgerfahrt der Generationen" seit Jahren und Jahrzehnten so einzigartig macht

Für zwei Jungs aus Delbrück sind es ereignisreiche Tage: Sebastian Völker, 18 Jahre, und Nils Schadwinkel (15) übernehmen gleich beim Eröffnungsgottesdienst große Verantwortung. Sie tragen die Pilgerkerze, die Paderborns Weihbischof Hubert Berenbrinker zuvor gesegnet und entzündet hatte. In einer feierlichen Prozession tragen sie die Kerze zu einem Schrein. Ein Schrein nahe der Grotte von Massabielle. Dort, wo Bernadette Soubirous im Februar vor 160 Jahren ihre erste Marienerscheinung hatte. In diesem Schrein wird die Kerze die gesamte Pilgerfahrt hindurch brennen. Sie steht symbolisch für all die Anliegen, die Pilgerinnen und Pilger vor die Muttergottes bringen.

Nils Schadwinkel ist dieses Jahr das erste Mal in Lourdes. Von älteren Mitschülern hatte er von der Fahrt gehört. Das besondere Gemeinschaftsgefühl, die feierliche Stimmung in der Vorbereitung auf das Firmsakrament – das wollte er jetzt am eigenen Leib erleben. Für Sebastian Völker ist es bereits die zweite Fahrt. Er ist diesmal als Betreuer der Delbrücker Jugendgruppe dabei. Auch zu Hause macht er sich für jugendliche Mitchristen stark. Unter anderem im Projekt "Junge Kirche", das unter anderem Betstunden und Taizéabende organisiert.

Mit von der Partie ist auch eine Jugendgruppe aus dem Kreis Höxter. Daheim engagieren sie sich als Schulsanitäter an Schulen in Neuenheerse, Brakel und Höxter sowie in der Malteser Jugend. Hier, im Marienheiligtum, wollen sie älteren Menschen helfen. Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Viele mitgereiste Senioren können – und wollen – kurze Wege noch selbst zu Fuß zurücklegen. Bei allen weiteren Strecken nehmen sie gern die Hilfe der jungen Malteser an. Leyla Kangal, Marie Lütkefend, Anne Spiegelberg, Lara Lohr, Justin Schelp, Robert Peters, Antonia Johlen, Tobias Kreutzmann und Morten Kampelmann schieben Rollstühle, stützen und begleiten Pilger. Sie sorgen dafür, dass die Senioren möglichst viele Gottesdienste besuchen können. Und damit tun sie das, was Malteser seit vielen Jahrhunderten tun: sie helfen Pilgern auf ihrem Weg.

Am Vormittag des Palmsonntags fiebern die Pilger dem Höhepunkt der Wallfahrt entgegen. Auf dem großen Platz vor der Rosenkranzbasilika haben sich tausende Menschen versammelt. Doch Petrus meint es nicht gut mit den Pilgern: erste Regenschauer gehen nieder. Und so recken die Pilger in diesem Jahr mindestens ebenso viele Regenschirme wie Buchsbaumzweige in die Höhe. Doch die Stimmung kann das kaum trüben. Auch nicht bei den Schwestern Helena (18 Jahre) und Elzbieta Swierad (16) und dem 16-jährigen Mikolaj Swiatczak. Extra aus Kattowitz, ihrer polnischen Heimatstadt, sind sie angereist und dann in Dortmund in den Pilgerzug gestiegen. "Lourdes hat etwas Besonderes an sich. Du kannst es spüren, aber nicht in Worte fassen", schwärmt Helena. "Wenn du einmal hier warst, dann bist du verbunden mit diesem Ort. Und diese Verbindung löst sich nie auf." Helena weiß, wovon sie spricht, denn sie war mit ihrer Schwester bereits fünfmal in Lourdes. Im Rahmen eines Jugendaustauschs sind sie jetzt erstmals mit einem deutschen Pilgerzug unterwegs. Auch Elzbietas Augen leuchten, wenn sie über Lourdes spricht: "Ich fühle hier Frieden. Es fühlt sich an, wie ein Zuhause. Ich muss mindestens einmal im Jahr herkommen."

Weihbischof Hubert Berenbrinker resümiert auf der Rückfahrt im Pilgerzug: "Ich bin sehr angetan von der Wallfahrt. Vor allem von der Zusammensetzung der Teilnehmer unterschiedlichen Alters, die zu einer tollen Gruppe zusammengewachsen sind. Auf dieser Wallfahrt kann man erleben, wie man sich Kirche und Gesellschaft wünscht: Dass einer für den anderen da ist. Ich habe viele engagierte junge Christen kennengelernt, mit Freude am Glauben, mit guten Ideen. Viele Firmbewerber haben mir von ihren positiven Erfahrungen im Gebet berichtet. Nun wünsche ich mir, dass sie diese Eindrücke nachhaltig mitnehmen. Dass sie auch das persönliche Gebet weiterhin pflegen und ihre Erfahrungen in das Gemeindeleben vor Ort einbringen."

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