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Malteser Wallfahrten

Geschichte von Bernadette

Tochter eines Tagelöhners

Bernadette, ältestes von sechs Kindern, war Tochter eines Müllers, der zum Tagelöhner abgestiegen war und zeitweise im Gefängnis saß, aufgewachsen in einer alten, dunklen und feuchten Mühle, wo sie sich vermutlich das Asthmaleiden zuzog, das sie ihr Leben lang plagte. Sie musste als Schweinehirtin und als Bedienung in einer Schänke arbeiten. Am 11. Februar 1858, also kurz nach ihrem 14. Geburtstag, hatte Bernadette beim Holzsammeln im Wald zum erstenmal die Vision, die sich im folgenden halben Jahr noch 17 Mal wiederholen sollte: Ihr erschein in der wenige Meter von ihrem Elternhaus entfernten Grotte Massabielle eine weibliche Gestalt von großer Schönheit in einer goldschimmernden Wolke. Die "Dame", wie Bernadette sie bewundernd-ehrfurchtsvoll nannte, die sich später als die Jungfrau Maria zu erkennen gab, forderte Bernadette zum Bau einer Kirche an der Grotte und zur Abhaltung von Prozessionen zu diesem Ort auf.
In einer zweiten Erscheinung 14 Tage später forderte die "Dame" Bernadette zum Trinken aus der Grotte auf. Es war aber kein Wasser zu sehen; Bernadette kratzte etwas Erde weg, plötzlich entsprang der Stelle klares Wasser. Maria offenbarte ihr die Heilkraft der Quelle. Ein erblindeter Mann fand tatsächlich sein Augenlicht wieder, die Nachricht von der Heilkraft des Wassers verbreitete sich rasch. Am 16. Juli 1858 erlebte Bernadette die letzte Erscheinung, bei der sich Maria - vier Jahre nach Verkündigung des entsprechenden Dogmas durch Papst Pius IX. - als die "unbefleckt Empfangene" zu erkennen gab. Im selben Jahr gab es das erste von bislang 66 von der katholischen Kirche anerkannten Heilungswundern: Catherine Latapie Chourat tauchte ihren gelähmten Arm in die Quelle und zog ihn geheilt wieder heraus. Bernadette wirkte sehr überzeugend, bis zu 10 000 Menschen haben zugesehen, als sie der unsichtbaren Frau redete; dennoch war ihr Beichtvater zunächst der Ansicht, dass sie einfach nur eine zu lebhafte Fantasie habe.
Vier Jahre nach der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens durch Papst Pius XI. hatte sich Maria erstmals Bernadette Soubirous in der Grotte zu Massabielle gezeigt, schon weitere vier Jahre später, 1862, bestätigte die katholische Kirche die Echtheit der Visionen. Lourdes entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte. Bernadette hatte Misstrauen, Unverständnis und Anfeindungen, zudem ihre schwere Krankheiten zu ertragen. Die Presse nannte sie eine hysterische Person, zweifelte an ihrer Glaubwürdigkeit, selbst der berühmte Schriftsteller Emile Zola bekundete sein Misstrauen.
Um sich der Neu­gier, Belästigungen und Aufdringlichkei­ten zu erwehren, verließ Bernadette 1866 ihre Heimat und schloss sich den Barmherzigen Schwestern im Kloster St. Gildard in Nevers-sur-Loire an; 1867 legte sie ihre Gelübde ab und erhielt den Ordens­namen Marie Bernard und die Auflage, nicht mehr über ihre Visionen zu reden. Auch im Kloster wurde sie immer wieder gede­mütigt und ernied­rigt, doch alle Ent­täuschungen konn­ten sie nicht von der Liebe zu jener "Dame" abbringen. Einer ihrer Mit­schwestern stellte Bernadette die Frage: "Was tut man mit einem Besen?" "Man kehrt mit ihm." "Und anschließend?" "Man stellt ihn hinter die Tür in die Ecke." "Eben! Das ist meine Geschichte. Maria hat mich benutzt und nun in die Ecke gestellt. Das ist mein Platz." Im Kloster durfte über ihre Vergangenheit nicht gesprochen werden.
1879 starb Bernadette, erschöpft und von ihren Krankheit ausgezehrt, an Knochentuberkulose. Ihr Leib, aufgebahrt im Glasschrein des Klosters in Nevers, blieb unverwest. Lourdes wurde zum berühmtesten Marienwall­fahrtsort der Welt, Hunderttausende suchen hier Heilung. 1858 erfolgte die erste wundersame Heilung, als Chatherine Latapie Chourat ihren gelähmten Arm geheilt aus dem Wasser zog. Doku­men­tiert sind bislang über 7000 medizinisch auffällige Heilungen, 2000 davon von Ärzten als unerklärlich eingestuft, bislang 68 hat die katholische Kirche nach eingehender Prüfung als Wunderheilungen anerkannt, als bislang letzte die an dem an multipker Sklerose erkrankten Jean-Pierre Bély aus dem Jahr 1987. Andachtsbilder von Bernadette waren die ersten, die fotografisch erstellt wurden.
Die Grotte in Lourdes ist eigentlich nur ein Felsüberhang, geschwärzt von Kerzen und von Millionen Händen. Ein Schild macht darauf aufmerksam, dass dieser Ort videoüberwacht wird. In einer Ecke ist die bei der zweiten Vision entsprungene Quelle, bedeckt von einer Glasplatte, daneben Blumen und ein Schrein, in den die Gläubigen Zettel mit ihren Bitten an die Jungfrau einwerfen. Außerdem steht eine Marmorstatue der Jungfrau in der Grotte, die Bernadette noch selber gesehen hat, in der sie allerdings die ihr erschienene Maria nicht wiedererkannte. Über der Grotte wurde gemäß den Anweisungen aus den Erscheinungen eine Kirche gebaut; inzwischen stehen dort sogar drei Kirchen übereinander; das größte und neueste Gotteshaus ist die unterirdische Basilika, die 25 000 Gläubige aufnehmen kann. Im 20. Jahrhundert soll sie sich Maria insgesamt 427 Mal gezeigt haben, oft vor Mädchen im Stadium der Pubertät oder Vorpubertät, wie etwa bei der elfjährigen Mariette Beco aus Banneux in Belgien, der 1933 acht Erscheinungen zuteil geworden seien. Aber sogar die offizielle kirchliche Website von Lourdes warnt ausdrücklich vor "gefährlichem Gefühlsglauben" und macht darauf aufmerksam, dass es darauf ankomme, "den Glauben auf den Offenbarungen aufzubauen".

Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon - www.heiligenlexikon.de

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