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Malteser Wallfahrten

Die Bäder im Heiligen Bezirk

Als unerfahrener Pilger wusste ich nicht, dass es im heiligen Bezirk ein Bad gibt, in den man baden kann. Am 25. Februar 1858 sagte Maria zu Bernadette: „Trinken Sie aus der Quelle und waschen Sie sich darin“. Das holte ich dann bei meinem zweiten Besuch in Lourdes nach. Die Bäder liegen etwas abseits vom eigentlichen Geschehen. Für mich als Normalpilger endete derzeit an der Grotte mein Weg. Lourdes hat aber nur wenige Schritte weiter von der Grotte etwas Besonderes, nämlich die „Bäder“. Wer möchte, kann dort ein Bad im Quellwasser von Lourdes nehmen. Für mich, der gesundheitlich auch schon seine Leiden hat, war es ein besonderes Anliegen dort in der Quelle zu Baden. Mit emotionalen Gefühlen machte ich mich auf den Weg zu dieser Quelle, die eine Heilung verspricht.
 
"Trinken Sie aus der Quelle und waschen Sie sich darin"

Alles was man für so ein Bad benötigt, ist der Glaube, ich möchte Baden. Wenn dann noch der Gedanke vorhanden ist, das Wasser könnte mich stärken und meine Gesundheit verbessern, hat man für sich schon mehr erreicht als man erwarten kann.
Eine Menge Wannen werden für die unterschiedlichen Sprachen die in Lourdes vertreten sind bereitgestellt. Ich war in der Vorsaison in Lourdes, sodass ich mit keiner Wartezeit rechnen musste. Für Wartezeiten sind ausreichend Bänke bereitgestellt. Als ich das Bad betrat, hatte ich ein Gefühl, dass die Zeit an der Gestaltung des Bades vorüber gegangen sein mag, worauf es aber nicht ankam. Ein etwas größerer Raum mit Vorhängen und einem Herrn, der mich gleich hinter diese Vorhänge führte, erwartete mich. Dort war ein etwas kleinerer Raum, wo man sich bis auf die Unterwäsche ausziehen sollte. In den eigentlichen Wannenraum erwarteten mich zwei Helfer und jemand der ein Gebetsbuch in der Hand hatte und mit den Anwesenden Gebete sprach. Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet. Als der Herr, sicherlich ein Standardgespräch hinter sich gebracht hatte, wurde ich aufgefordert mich in eine Ecke zu stellen und mir die Unterhose auszuziehen. Dabei wurde sogfältig darauf geachtet, dass die Scham mit einem Laken verhangen wurde. Jetzt dachte ich, geht es aber los! Rein ins kalte Wasser. Mit einem Laken umhangen sollte ich mich, wem danach war, auf die oberste Stufe der Wanne stellen und leise oder auch laut ein Gebet sprechen. Meine Gedanken waren so sehr mit dem ganzen Hergang befasst, dass ich mich auf kein Gebet konzentrieren konnte und nach kurzer Zeit um das Bad bat. Die Helfer halfen dabei, dass ich bis zur Schulter ins Wasser tauchen konnte, was ich in diesem Moment nicht als kalt empfand. Als ich darum bat komplett unter zu tauchen wiederholte sich das Ganze noch mal. Beim Aufstehen wurde mir das Laken wieder umgehängt und ich wurde noch mal in eine Nische geführt, wo ich mich ohne abzutrocknen die Unterhose wieder anziehen konnte.
 Fürs Anziehen ging ich wieder in den Raum. Vor der Wanne trocknete ich mich soweit es möglich war mit dem nassen Laken ab und zog mich an. Als ich herauskam war ich bis auf kleine Stellen, wo Haut auf Haut liegt, trocken. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, man braucht sich nicht abzutrocknen und niemand der sich seit Bestehen des Bades eine Infektion zugezogen haben soll. Für mich stand in diesem Moment fest, wenn ich wieder nach Lourdes komme, werde ich wieder im heiligen Wasser ein Bad nehmen.

  • Der Eintritt ist frei
  • Badesachen sind nicht notwendig
  • Das Notwendige zur Wahrung der Intimität wird gestellt
  • Jedes Jahr kommen über 300.000 Pilger in die Bäder
  • Während des Sommers muss mit Wartezeiten gerechnet werden

Ich wünsche jeden der sich in Lourdes ein Bad nimmt eine Linderung, wenn nicht sogar eine Heilung seiner Krankheiten.
 
Günter Lange

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