Werl-Wallfahrt
Das Gnadenbild strahlt Erhabenheit und Zartheit zugleich aus. Es wirkt würdevoll und dennoch anziehend durch das gültige, leicht gerötete Gesicht der Gottesmutter.
Es zählt zu den schönsten Madonnen-Kunstwerken Europas.
Während der Blick des Kindes leicht nach oben geht, schaut die Gottesmutter die Pilger direkt an. Maria sitzt auf einem Ringpfostenstuhl, der im Mittelalter nur hohen Autoritätspersonen wie Königen, Bischöfen und Äbtissinnen zukam.
Figur und Stuhl sind aus Roterlenholz gearbeitet, das auf ihrem Schoß sitzende Christuskind ist aus Eichenholz. Die Unterarme der Gottesmutter sind nach vorne gestreckt, die Hände senkrecht nach oben. In der Rechten hält sie mit Daumen und Zeigefinger einen Apfel. Er steht für die verbotene Frucht des Paradieses.
Ging einst durch den Sündenfall Evas (des ersten Menschenpaares) das Heil für die Menschen verloren, so hat es Maria durch ihr Ja-Wort auf die Botschaft des Engels hin wieder neu erschlossen. Sie wurde dadurch zur Mutter alles Lebendigen.
Das einteilige Gewand ist am Hals mit drei Glasstücken, an den Oberarmen, am Ärmelsaum und an der Hüfte mit Schmuckstreifen verziert. Ihr Haupt mit dem frei über die Schultern fallendem lockigen Haar trägt eine Krone.
Das Christuskind sitzt mit gekreuzten Beinen - das linke über das rechte - auf dem mütterlichen Schoß. Bis auf seine Größe hat es keine kindlichen Züge. Es ist mit einem einteiligen Gewand ähnlich gekleidet wie seine Mutter, nur trägt es darüber noch einen Überwurf, der aber die rechte Schulter frei lässt. Die rechte Hand ist zum Gruß erhoben, während die linke ein auf den Knien liegendes Buch hält. Die streng symmetrische Darstellung von 68 cm Höhe weist in ihrer majestätischen ästetischen Erhabenheit auf byzantinischen Einfluss hin.
"Orientalischer Einfluss macht sich im ganzen Aufbau der Figur geltend. Die Körperhaltung von Mutter und Kind sind Symbole für das Heilige und Erhabene, während die Gebärde der Hände und das Sitzen auf dem Thron höchste Königswürde versinnbildlichen. Das frei über die Schulter fallende Haar ist ein Zeichen für die königliche Herkunft Mariens und für ihre Jungfräulichkeit. Mittelalterlichem, germanischem Rechtsbrauch ist das Symbol der unbeschuhten Füße beim Jesuskind entnommen und deutet auf restlose Hingabe". (Waltram Schürmann).
Berichte über notariell beglaubigte Wunderheilungen vor dem Marien-Gnadenbild finden sich in dem Werler Miracelbuch (1661 - 1883). Auszüge hierzu finden Sie in der Dissertation "Rosenkranzaltar und Scheiterhaufen" von Dr. Rudolf Fidler, Werl.
Gebet an die Muttergottes
Jungfrau, Mutter Gottes mein,
Lass mich ganz Dein eigen sein;
Dein im Leben, Dein im Tod,
Dein im Unglück, Angst und Not,
Dein in Kreuz und bitterem Leid,
Dein für Zeit und Ewigkeit!
Jungfrau, Mutter Gottes mein,
Lass mich ganz Dein eigen sein!
Mutter, auf Dich hoff und baue ich;
Mutter, zu Dir ruf und seufze ich
Mutter, Du gütigste, steh mir bei;
Mutter, Du mächtigste, Schutz mit Leih;
o Mutter, so komm, hilf beten mir,
o Mutter, so komm, hilf streiten mir,
o Mutter, so komm, hilf leiden mir,
o Mutter, so komm, und bleib bei mir.
Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste;
Du willst mir ja helfen, o Gütigste,
Du musst mir nun helfen, o Treueste,
Du wirst mir auch helfen, Barmherzigste;
o Mutter der Gnade, der Christen Hort,
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port,
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier,
Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier!
Wer hat je umsonst Deine Hilf angefleht?
Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet?
Drum ruf ich beharrlich in Kreuz und in Leid:
Maria hilft immer, sie hilft jederzeit!
Ich ruf' voll Vertrauen in Leiden und Tod:
Maria hilft immer - in jeglicher Not!
So glaub' ich - und lebe und sterbe darauf.
Maria hilft mir in den Himmel hinauf.
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